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Category Archives: Gedicht der Woche

Keine Rast

Seele, banger Vogel du, Immer wieder musst du fragen: Wann nach so viel wilden Tagen Kommt der Friede, kommt die Ruh?   O ich weiß: kaum haben wir Unterm Boden stille Tage, Wird vor neuer Sehnsucht dir Jeder liebe Tag zur Plage.   Und du wirst, geborgen kaum, Dich um neue Leiden mühen Und voll [...]

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Über die Erde

Über die Erde sollst du barfuß gehen. Zieh die Schuhe aus, Schuhe machen dich blind. Du kannst doch den Weg mit deinen Zehen sehen Auch das Wasser und den Wind. Sollst mit deinen Sohlen die Steine berühren, mit ganz nackter Haut. Dann wirst du bald spüren, daß dir die Erde vertraut. Spür das nasse Gras [...]

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Heute und nie wieder

Es regnet, was es regnen mag. Es regnet schon den ganzen Tag. Zwischen Erlenblättern am Bach sitzen zwei Eintagsfliegen. Die eine seufzt nur: “Ach!” Die andere klagt: “O Schwester! Wir leben heute und nie wieder. Was schickt uns der Himmel hernieder? Regen, Regen, Traurigkeit. Wozu sind uns Flügen gegeben? Wir dürfen nicht tanzen, nicht schweben. [...]

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Navigation

Eisensteine aneinander reiben bis ein Schmetterling kommt und zuhört Ein Wort aus dem Schwimmbad, das nachhallt auf dem Handrücken nachhause tragen An der Rinde riechen, welche Äpfel du mehrmals essen kannst Mit geschlossenen Augen durch die Menge gehen dem Dorn nach in deinem Bauch Die Knochen zurückgeben vor dem Abflug blank gereinigt Aufhören zu würfeln [...]

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Wollen

Bei dir sein wollen Mitten aus dem was man tut weg sein wollen bei dir verschwunden sein Nichts als bei dir näher als Hand in Hand enger als Mund an Mund bei dir sein wollen In dir zärtlich zu dir sein dich küssen von außen und dich streicheln von innen so und so und auch [...]

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FÖHN

Der wind zieht die wirbel an Die nerven sind verstimmt bis ins schmerzhafte Noch eine vierteldrehung, und etwas in dir wird zerspringen Und du kannst nicht hinter die bühne gehen wie der bratschist, der eine neue saite aufzieht Reiner Kunze

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September

Der Garten trauert, Kühl sinkt in die Blumen der Regen. Der Sommer schauert Still seinem Ende entgegen. Golden tropft Blatt um Blatt Nieder vom hohen Akazienbaum. Sommer lächelt erstaunt und matt In den sterbenden Gartentraum. Lange noch bei den Rosen Bleibt er stehen, sehnt sich nach Ruh. Langsam tut er die großen, Müdgewordenen Augen zu. [...]

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Lied

Heute tatest du mir weh. Rings um uns war Schweigen nur, Schweigen nur und Schnee. Himmel war nicht wie Azur, blau jedoch und voll mit Sternen. Windeslied erklang aus fernsten Fernen. Heute warst du mir ein Schmerz. Häuser waren da, so weiß verschneit, alle in des Winters Kleid. Ein Akkord in tiefer Terz war in [...]

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Beziehungsweise

Ist es denn nicht möglich, sich täglich nahe zu sein, ohne alltäglich zu werden – voneinader entfernt zu sein, ohne sich zu verlieren …? Beziehungsweise sich maßlos zu lieben, ohne sich lieblos zu maßregeln – einander gewähren zu lassen, ohne die Gewähr zu verlieren …? Beziehungsweise einander sicher zu sein, ohne sich abhängig zu machen [...]

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Dich

Dich dich sein lassen ganz dich Sehen dass du nur du bist wenn du alles bist was du bist das Zarte und das Wilde das was sich losreißen und das was sich anschmiegen will Wer nur die Hälfte liebt der liebt dich nicht halb sondern gar nicht der will dich zurechtschneiden amputieren verstümmeln Dich dich [...]

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